Tag 8 – Gold eingekauft

Morgens erwachten wir also das zweite Mal auf dem Zeltplatz Hamrar in Akureyri. Nach einer ausgiebigen Dusche und dem Zeltabbau fuhren wir mit dem Auto zum Gemeinschaftsgebäude um dort zu frühstücken. Danach liefen wir noch einige Geschäft in der Stadt an, um uns für die nächsten Tage mit Lebensmittel zu versorgen. Dazu gehörte auch (zum ersten Mal in diesem Urlaub) der Besuch einer Vinbude – dem einzigen Ort in Island um „anständiges“ (also kein Light-Bier) zu kaufen. Natürlich gibt es hier auch Alkohol aller anderen Sorten. Nur dumm, dass dieser dann auch oft das dreifache kostet wie in Deutschland. Warum das so ist, könnt ihr hier nachlesen. Wir entschieden uns für einen 10ner Pack Viking Bier und so ist man dann schnell 25 Euro los. Aber das war es uns dann wert.

Bevor es losgehen konnte, musste das Auto betankt werden. Leider stellten wir fest, dass uns irgendwie die Tankkappe abhanden gekommen ist. Also kauften wir gleich noch eine neue. Die Tankstellen in Island haben ja so etwas ja vorrätig.

Wir fuhren den „Akureyri-Ford“ ins Landesinnere ca. 35 Kilometer weiter, bis endlich wieder unsere geliebten Schotterstraßen begannen. Mittlerweile sind wir schon gut eingespielt. Auto rechts ran fahren. Aussteigen. Luft ablassen. Luft messen. Differenzial-Sperre lösen. Vierradantrieb anschalten. Weiterfahren.

Uli ist ja eine ganze Ecke älter als Chris – aber solch eine fantastische Straße hat selbst er noch nicht gesehen. Der Weg stieg stetig an. Da wir zuvor in einer Hafenstadt waren und unsere nächstes Ziel auf über 700 Metern liegt, mussten einige Höhenmeter überwunden werden. Ein sehr schnell und mit klarem Wasser fließender Fluss floss die gesamte Zeit neben der Straße. Dieser musste öfters durchfurtet werden, da die „Straße“ mal auf der rechten Seite mal auf linken Seite verlief. Manchmal verlief er auch einfach mittig und das Wasser sprudelte uns auf dem Weg entgegen. Jedenfalls sehr spannend und aufregend zu fahren.

Die grünen und saftigen Wiesen vergingen je höher wir kamen, es wurde zunehmend karger und die lustig dreinblickenden Schafe auf der Fahrbahn wurden auch weniger. Wir fuhren bestimmt eine Stunde über anspruchsvollstes Gelände, bis wir die von Gletschern geprägte Lavawüste im Hochland erreichten. Diese Wüsten sind wirklich sehr gigantisch, die Vegetation ist nicht nennenswert und nur kaum vorhanden. Es handelt sich um schlichte und in allen Grau- / und Schwarztönen gehaltene Ebenen. Ein sehr starker Wind weht dort und ab und zu gibt es kleine Ansammlungen von Schnee oder schwarzen Seen.

Als wir das Schild „4 km to Laugafell“ passierten, konnten wir nicht glauben, dass hier jemand freiwillig campt oder übernachtet. Hier stand einfach nichts, gar nichts. Keine Wiesen, keine Menschen und kein Zeltplatz.

So kann man sich täuschen und das ist das schöne in Island, es geht eben doch. Mitten in der Wüste erstreckte sich plötzlich ein kleiner Bach, an dessen Seite vier kleine Hütten standen. Ein großer Hot-Pot (der größte Natur-Hot-Pot den wir bisher hatten) und eine kleine Campingwiese gab es dort auch. Man hat von hier (wir sitzen mal wieder in unserem Auto und lassen denn Abend ausklingen) einen weiten Überblick über die fernen Gletscher und die Lavaebenen des Hochlandes. Wir stellten das Auto ab und suchten einen Platz für unser Zelt. Das Wetter hier ist sehr schön, allerdings ist der Wind extrem präsent und will gar nicht mehr aufhören. Großer Nachteil: die „Wiese“ für Zelte ist nicht windgeschützt. Das Zelt steht nun, allerdings wird die kommende Nacht sehr laut und kalt. Dafür haben wir gerade einen wunderschönen und in allen Rot- und Orangetönen leuchtenden Sonnenuntergang, der für die kommende Nacht entschädigt.

Mit uns ist eine große Gruppe Franzosen hier, die sich sehr merkwürdig verhalten. Die Gruppe besteht aus ca. 15 – 20 Geländewagen mit aircamping-Aufsatz am Dach. Man könnte den Eindruck gewinnen, sie hätten das ganze Gelände gemietet und wir (und die paar anderen) sind lästige Nebenerscheinungen. Auf den Platzwart wird unbeirrt französisch eingeredet obwohl er mehrfach beteuerte kein Französisch zu können.

Der Platzwart verbringt den ganzen Sommer hier (das sind ca. 2 Monate). Da wir fast (es ist noch ein weiteres Zelt aufgebaut) die einzigen Verrückten sind, die hier zelten, stellte er uns ein Raum zum Abendessen zur Verfügung. Zum Frühstücken dürfen wir wieder kommen. Eigentlich ist er Fernsehtechniker und hat nach 31 Jahren seinen Job bei der staatlichen Rundfunkanstalt verloren – nach Sparmaßnahmen. Nun nimmt er diese Auszeit in der Einsamkeit, um Zeit zum Nachdenken zu haben und seinem Leben eine neue Richtung zu geben (er ist ein 58er Jahrgang – nicht unbedingt der schlechteste :-)). Wir hatten ein sehr nettes und aufschlussreiches Gespräch mit ihm.

Die Sonne ist jetzt untergegangen, der Wind bläst unvermindert heftig und wir überlegen wie viele Schichten wir für die Nacht anziehen müssen …

2 thoughts on “Tag 8 – Gold eingekauft

  1. Hallo, ihr zwei!
    Das ist ja echt eine feine Sache mit so einem Reiseblog! Und ihr seid wirklich fleißig beim Schreiben. Wenn ihr wieder da seid, lass ich mir mal zeigen, wie man so etwas einrichtet.
    Ich wünsche euch noch eine wunderschöne Zeit und fahre jetzt selber offline in denUrlaub!
    Herzliche Grüße
    Heidrun

    • Liebe Heidrun,
      schön zu hören, dass Dir unser Tagebuch gefällt und Du mitliest! Dass wir das so ausführlich machen können liegt an den Isländern, die ihr ganzes Land – bis hin in die entlegensten Regionen – nahezu flächendeckend mit Mobilfunk ausgestattet haben. Den Anteil, den Du dazu leisten musst erklärt Dir Christoph gerne 🙂
      Dir auch einen schönen Urlaub! Und: man kann auch offline prima Urlaube verbringen!!!
      Liebe Grüße
      Uli und Chris!

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