Tag 7 – Fohlen isst man nicht

Wie jeden Tag begann alles mit dem Aufstehen. Die Nacht war nicht sonderlich kalt – wir merken, dass wir nicht im Hochland sind. Der Pfadfindercampingplatz Hamrar ist perfekt ausgestattet: große Sanitäreinrichtungen, Gemeinschaftshaus mit Küche und Geschirrspüler usw. Nach dem Frühstück riefen wir erst mal in Reykjavik bei Cheep Jeeps an und schilderten unser Problem mit dem Leistungsverlust und merkwürdigen Geräuschen. Drei Minuten später bekamen wir eine SMS mit der Telefonnummer von Oskar, der uns seinerseits nach Anruf eine SMS mit der Adresse schickte, wo wir hin kommen sollten (SMS ist wirklich sinnvoll – wir hätten nie gerafft wie die Straße hieß, zu der wir sollten). GPS programmiert und los ging es in Richtung Hafen. Oskar stand schon winkend am Straßenrand und dirigierte uns in einen Hinterhof, in dem es genau so chaotisch aussah, wie bei Cheep Jeeps in Reykjavik. Wir schilderten unser Problem, bekamen einen Schlüssel in die Hand gedrückt für einen unbeschreiblichen Jeep feinster Bauart – aber halt auch schon 20 Jahre alt und 260 000 km auf dem Buckel. Er würde wieder anrufen, wenn unser Auto fertig ist.

Mit Ásgeir, Ulis Pfadfinderfreund aus VCP-Zeiten, hatten wir vereinbart, dass er uns im Laufe des Tages anrufen würden, wann wir uns wo wie treffen könnten.

Dann suchten wir die Touristinfo auf, die in einem spektakulären Neubau aus dem Jahr 2010 untergebracht ist, schlenderten danach durch die Fußgängerzone, aßen im Backpackers Café zu Mittag und besuchten dann die Eiskathedrale, eine Kirche aus dem Jahr 1940, die hoch über der Stadt thront und durch ihre besondere Architektur und Schlichtheit auffällt. In den Kirchenfenstern ist auch ein Fenster der Kathedrale in Coventry eingebaut, dass auf Umwegen nach der Zerstörung der Kirche durch Deutsche Bomben in Island gelandet ist. Weiter ging es zum Heimatmuseum, das äußerst sehenswert ist und einen anschaulich gestalten Überblick über die Geschichte der Stadt Akureyri gibt. Wir waren nahezu die einzigen Besucher dort. Außerdem kaufte Chris sich eine sehr schöne Jacke von North 66.

Akureyri hat ca. 17000 Einwohner und geht auf einen Dänischen Handelsposten aus der Mitte des 18. Jhd. Zurück. Die Stadt verfügt über ein Modern Art Museum genauso wie über ein Theater, Kinos und eine vielfältige Industrie.

Inzwischen hatte Ásgeir bei uns angerufen und wir vereinbarten ein Abendessen bei ihm daheim. Vorher allerdings holten wir unser Auto ab, das inzwischen auch fertig war. Hauptfehler war wohl ein verstopfter Benzinfilter. Jetzt zieht die Karre wieder.

Ásgeir und seine Frau Margret hießen und herzlich willkommen und zu Salat und gegrillten Champignons gab es köstliches Fohlen- und Lammfleisch – auch vom Grill. Und dazu unser erstes echtes (!!!) Bier in Island. Wir verbrachten einen wundervollen Abend bei gutem Essen, guten Gesprächen und brüteten über unserer Karte, um die besten Routen ins Hochland zu finden und um die besten Insidertipps zu erhalten. Auch luden wir das App des Isländischen Rescue Teams auf Chris Handy. Hiermit ist man auf Wunsch ortungsbar und kann im Krisenfall schneller gefunden werden (GPS Daten werden nach dem Einchecken regelmäßig an eine Zentrale gesendet und im Ernstfall ausgewertet).

Thank you Margret and Ásgeir for that wonderful evening!

Es wurde spät und so entschieden wir, den fälligen Tagebucheintrag erst am nächsten Morgen zu schreiben.

Jetzt werden wir Vorräte auffüllen, die Luft aus den Reifen lassen, den Vierradantrieb aktivieren und uns auf den Weg in Richtung Laugafell machen, wo uns weitere Gletscher und schöne Wanderroutern erwarten..

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.