Tag 5 – Ziiiiiiiiiiiiiiiiisch

Es ist uns tatsächlich gestern Nacht noch gelungen unseren gestrigen Tagebucheintrag abzusetzen. Absurderweise ging das nur vom Zelt aus, weil dort der beste Empfang war – und das im Herzen Islands! Dieses Mal, liebe Leser müsst ihr warten, da dort, wo wir im Augenblick sind – nämlich in Hveravellir (sprich Kwerawedlir) – wirklich nichts geht.

Aber alles der Reihe nach:

Es war eine lausig kalte Nacht, so um die 0 °C. Mitcamper behaupteten es habe nachts sogar geschneegrieselt – aber das haben wir wohl verschlafen. Mit diesen Temperaturen scheint die Komfortzone unserer Schlafsäcke erreicht zu sein und für weitere kalte Nächte liegt ab jetzt die lange Skiunterwäsche bereit.

Und als wir aufstanden schien die Sonne und Kerlingarfjöll präsentierte sich in einer einzigartigen Farbenpracht: rot-, schwarz- und Brauntöne der verschiedenen Gesteinsschichten durchwachsen mit dem zarten Grün von Moosen und Flechten. Darüber der blaue Himmel mit weißen Wolken.

Wir packten unser Zelt ein, frühstückten in der Gemeinschaftshütte und wollten uns zu Fuß auf den Weg machen, um das wohl spektakulärste Geothermalgebiet Islands zu besuchen, eben das des Kerlingafjörlls, als uns der Hilferuf eines deutschen Pärchens ereilte. Ihr nigelnagelneuer, gemieteter Jeep Cherokee machte keinen Mucker mehr – die Batterie hatte sich grundlos entladen. Also unseren SaangYong Korando bestiegen, zum havarierten Fahrzeug gefahren, Steine hinter die Reifen gelegt (wir haben ja schließlich keine Handbremse), Kabel angeschlossen und Starthilfe gegeben. War den beiden fast etwas peinlich 🙂

Und dann sind wir los gewandert. Das Geothermalgebiet liegt etwa 5,5 km von dem Basiscamp entfernt. Und umfasst ca. 3 Quadratkilometer. Es ging wohl durch sämtliche Landschaften, die Island zu bieten hat: steile Hänge hinauf und hinab, über Bäche, an und über Schneefelder, durch Lavageröllebenen und in dem Gebiet durch knöchelhohen Schlamm, vorbei an dampfenden und fauchenden Löchern, kochenden Töpfen gefüllt mit Wasser oder grauem Schlamm und weiter entlang und über heiße (!) Bäche. Und das Ganze in einer einzigartigen Farbigkeit von weiß bis rot und schwarz. Nach ca. 13 km Wanderung sind wir wieder zurück im Highland Resort gewesen, haben etwas zu Essen gemacht und sind dann auf der Piste in Richtung Hveralvellir gestartet. Immer wieder spannend auf diesen Pisten zu fahren. Zum Glück sind wir beide gute Autofahrer und haben keine Angst wenn der andere fährt 🙂

Immer noch bei schönstem Wetter und supersteifer Brise erreichten wir unsere heutige Tagesetappe. Das Geothermalgebiet Hveralvellir am Kjöllur, dem Namensgeber gleichnamiger Piste. Ein Platz mit ganz anderem Charakter als unser letzter Stopp am Kerlingafjörll. Eigentlich eher eine Ebene mit leichten Erhebungen. Der Platz liegt zwischen den beiden großen Gletschern Langjökull und Hofsjökull mitten in einem Geothermalgebiet um uns herum brodelt und dampft es und nach dem Zeltaufbau gingen wir als erstes in den Hot-Pot, der wunderschön angelegt neben einem warmem Bach auf uns wartete.

In den Toiletten ist der Hinweis angebracht, dass man kein Trinkwasser in den Räumlichkeiten entnehmen soll, dazu seien außerhalb Wasserhähne mit kaltem Wasser angebracht. Aus denen kam allerdings nur warmes Wasser und als wir nachfragten, bekamen wir die Antwort, es gäbe in dem ganzen Gebiet kein kaltes Wasser, es sei Trinkwasser und wir sollten es einfach auf Trinktemperatur abkühlen lassen. Das wiederum ist keine Kunst – es ist inzwischen wieder gut kühl draußen und wir sitzen im warmen Auto und lassen es uns gut gehen (Whiskey, Nachos mit Salsasoße und Gummibärchen). Eigentlich wollten wir uns vorher noch was kochen, aber unser Kocher zickt rum und wir kriegen ihn nicht zum laufen. Müssen uns wohl in Akureyri um eine Reparatur kümmern. Haben uns dafür ein Grillsandwich und einen Kaffee in der Campingbar gegönnt. Das Bier, mit dem wir liebäugelten haben wir uns verkniffen: umgerechnet 8,50 € waren wir dann doch nicht bereit zu zahlen. Verstehen können wir das alles schon: die nächste Versorgungsmöglichkeit ist 100 km entfernt. Jetzt lassen wir den Tag im Dämmerlicht mit Blick auf die dampfende Umgebung und dem Gletscher im Hintergrund ausklingen …

PS: So sieht es übrigens aus, wenn eine französische Großfamilie probiert ein LIDL- oder ALDI Zelt aufzubauen. Wir wundern uns sehr oft, wie sich manche Menschen das Hochland vorstellen 😛 Die besagte Familie hat sich dann ein Häuschen gemietet. (170 Euro die Nacht).

Nachtrag: In Akureyri haben wir nun auf dem Campingplatz 4G (also LTE) – und können endlich unseren Eintrag von gestern hochladen. Es wurden außerdem einige Galerien von vorherigen Tagen eingestellt. Reinschauen lohnt sich also.

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