Tag 21 – Pfffffffffff …

Es war wieder die Sonne, die uns weckte… Nein! Das ist nur die Halbe Wahrheit. Es waren auch die vielen Bagpacker, die in früher Morgenstunde ihre Zelte abbrachen, um sich auf den Weg zu meist mehrtägigen Wanderungen zu machen. Das mit dem Basiscamp für „Expeditionen“ traf immer mehr zu. Wir hatten Zeit. Und so packten wir in aller Ruhe unsere Sachen zusammen und bauten das Zelt ab. Noch vor dem Frühstück wechselten wir den Reifen, der über Nacht endgültig platt geworden ist. Leider führte der Cherokee nur ein Notrad mit (Ihr wisst schon: das sind diese kleinen Spielzeugräder, die, würde man am Lenkrad nicht kräftig gegensteuern, das Auto im Kreis fahren ließen … Dumm war auch, dass auch ein Teil des Wagenhebers fehlte. Gott sei Dank parkte direkt vor uns ein anderer Jeep Cherokee und dort befand sich das komplette Werkzeug an dem Ort, wo es sein sollte.

Während wir so vor uns hin wechselten sprach uns ein junger Bagpacker an, ob wir nach Reykjavik fahren würden. Wir verneinten das. Boten ihm aber an – wenn wir unser Programm in Landmannalaugar (dazu gehörte noch eine ca. 2,5-stündige Wanderung, so dass wir erst am Nachmittag weiterfahren wollten) beendet hätten, ihn durchs Hochland an die Ringstraße S1 zu kutschieren, dass er von dort weiter trampen könne. Doch dazu später (sorry, Valentin … musst noch etwas warten, bis Du in unserem Tagebuch vorkommst :-)).

Nach Reifenwechsel und gemütlichem Frühstück im Windschatten, riefen wir erst mal bei Cheap Jeeps an, um uns zu erkundigen, wie mit dem platten Reifen zu verfahren sei. Wir sollten ihn irgendwo reparieren lassen.

Und dann machten wir uns auf zu einer Wanderung von ca. 6 km auf den Gipfel Brennisteinsalda (der Schönheitskönigin aus Rhyolitgestein). Zuvor durchquerten wir einen alten erkalteten Lavafluss aus dem Jahr 1477, der sich gewaltig hinter dem Zeltplatz und den Hütten auftürmt. Und dann ging es durch farbige Hügel und dampfende Felder immer höher, bis wir schließlich bei scharfem Wind und Sonnenschein auf dem Gipfel standen. Eine atemberaubende (wie oft haben wir eigentlich schon dieses Wort verwendet?) Sicht über das Lavafeld, die umliegenden Gipfel und die fernen Gletscher hatten.

Nach unserer Rückkehr wollte Uli noch unbedingt in den heißen Teich (wir waren schließlich mal wieder in einem Geothermalgebiet und es war der wohl letzte natürliche heiße Topf auf unserer diesjährigen Reise), während Chris es vorzog an unserem Blog weiter zu schreiben. Valentin war auch noch da und nachdem wir ihm und seinem Rucksack Platz im Auto geschafft hatten, ging es los. Auf der F 225 arbeiteten wir uns etwas langsamer (wegen des blöden Notrads) durch deutlich weniger Furten als am Vortag in Richtung Westen und dann südlich zur S1. Valentin erwies sich als ganz angenehmer Mitfahrer (Student in Leipzig für Musik Lehramt, ehemaliger Waldorfschüler, einer der gerne reist – aber zum ersten Mal in dieser Form wandert). Er hat es geschafft uns mit seiner Frage, ob wir uns als Sohn und Vater häufig streiten, etwas aus dem Konzept zu bringen. Darüber hatten wir eigentlich noch nie wirklich nachgedacht. Und als wir es nun tun mussten, kamen wir einhellig zu dem Ergebnis, dass wir eigentlich nie streiten. Ja, wir diskutieren gerne – aber streiten … nein. Schlimm?

Wir verließen das unwegsame Gelände und konnten auf halbwegs normalen Straßen auf die S1 gelangen. Dort gab es zum Abschied an einer Tankstelle Pylser für alle. Wir tauschten E-Mails aus. Und: Juhuuuuu … wir haben jetzt eine Adresse, wo wir in Leipzig schlafen können 🙂

Valentin überließen wir seinem Schicksal und wir fuhren in die entgegengesetzte Richtung, um unseren Reifen flicken zu lassen. Die Werkstätten scheinen das hier gewöhnt zu sein. Nach ca. 45 Minuten war das Loch gefunden und der Reifen geflickt und wieder montiert.

Dann nutzten wir gleich noch die Gelegenheit im benachbarten Schwimmbad (wir waren in Hella) die Hot-Pots aufzusuchen. Wir haben, währen wir im warmen Wasser dümpelten, mal nachgerechnet, dass wir auf dieser Reise (Chris einen weniger, da er in Landmannalaugar nicht im Pot war) in 16 Bädern bzw. natürlichen Hot-Pots waren.

Wir entschieden uns auf den Campingplatz am Úlfljótsvatn zu fahren, auf dem wir unsere erste Campingnacht der Reise verbracht hatten. Der Campingplatz ist wie ausgestorben. Wir zählen mit uns sieben erwachsene Gäste und zwei Kinder. Aber alle Einrichtungen sind offen. Auch der geheizte Gemeinschaftsraum mit Kochnische … und so sitzen wir hier und hören den besten Radiosender der Welt – Radio Paradise. Wir müssen in den zwei Tagen noch rund 3 GB Trafic verbrauchen. In Island hat man ja quasi überall Empfang und so können wir sehr gut Streamen.

PS: Da einige Leute nicht wussten, ob wir das Video hier selber gemacht haben: Ja haben wir 😉 Und das ist auch unser Jeep Grand Cherokee.

 

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