Tag 20 – Ice Age

Der Tag begann so wie er aufgehört hat, sonnig und wolkenlos. Um 9:15 trafen wir uns am Startpunkt der Gletschertour ein. Marta – unsere polnische Führerin – passte noch die Steigeisen für unsere Schuhe an und gab dann unserer Gruppe (insgesamt acht Leute) eine kurze Einweisung. Klettergurte und Helm waren für diese Tour auch nötig. Mit einem Shuttlebus ging es dann auf die nahegelegene Gletscherzunge Svínafellsjökull. Diese befindet sich auf dem größten europäischen Gletscher Vatnanjökull.

Dort angekommen liefen wir gut 15 Minuten über steiles Gelände seitlich am Hang entlang. Einen Gletscher kann man meist nur von seitlich besteigen, da sich oft im vorderen Bereich Wasser und Schutt ansammelt.

Über ein Seil kletterten wir zur einer Holzbrücke hinab (diese muss wöchentlich umgelegt werden, da das darunter liegende Eis sich bewegt). Es folgte ein kleiner Grundkurs über die Bewegungsarten auf einem Gletscher, an die Steigeisen musste man sich erst einmal gewöhnen. Jeder von uns hatte außerdem eine Eisaxt (sehr nützlich). Die Tour war wirklich atemberaubend schön (immer noch keine Wolken) und wir konnten irgendwann kurzärmlig wandern.

Nach zwei Stunden auf dem Eis machten wir uns auf den Abstieg. Teilweise waren wir – wenn es über die Eisgrate zwischen zwei Gletscherspalten ging – gesichert. Übrigens verwendeten wir die selben Eisschuhe wie einige Schauspieler von Game of Thrones, denn unser Veranstalter brachte zu den Dreharbeiten das Team auf den Gletscher.

Zurück im Camp bauten wir unser Zelt ab und machten uns anschließend auf den Weg. Weiter sollte es auf der Straße 1 Richtung Reykjavik und anschließend auf der F208 nach Landmannalaugar gehen. Wir verließen die Asphaltstraße und tauchten in eine wirklich besondere Welt hinab. Bei schönstem Wetter fuhren wir an einem unserer letzten Tagen eine der zauberhaftesten Straßen, die wir bis jetzt erleben durften. Im Gegensatz zu den Flüssen, die wir im gletschernahen Hochland durchfahren haben, waren diese kristallklar und spiegelten den blauen Himmel wieder. Einige dieser Flüsse endeten in weiten Sandbetten, die gleich an mehreren Stellen durchfurtet werden mussten.

Nach zwei Stunden erreichten wir den Zeltplatz Landmannalaugar. Auch dieser ist in Island einmalig. Man kommt sich vor wie in einem Basecamp im Himalaya. Nur Geländewagen und Superjeeps schaffen es auf diesen Platz vorzudringen. Gemeinerweise liegt die tiefste Furt unmittelbar vor dem Camp. Daher gibt es auch zwei Parkplätze. Einen für Fahrzeuge mit niedriger Watttiefe und einen Parkplatz direkt an den Zelten für größere Fahrzeuge. Wir haben uns bis dorthin getraut 😉 Es standen gut 120 Zelte rum, erinnerte etwas an ein Festival alá Woodstock.

Wir bezahlten und suchten dann einen geeigneten Standort für unser Zelt aus. Es standen Zelte in jeder Bauart und Farbe am Platz. Man konnte sich einen guten Überblick über aktuelle Marken und Weiterentwicklungen von Zelten verschaffen. Anschließend suchten wir uns eine windgeschützte Bank und fingen an unser Abendessen (Würstchen, Reis und Gemüse) zu zubereiten. Wenig später gesellten sich noch fünf Deutsche zu uns, die erst seit heute in Island sind. Wir gaben ihnen noch Wissen und Informationen für ihre nächsten zwei Wochen mit auf dem Weg.

Uli stellte später am Abend fest, dass unser Auto am rechten hinteren Rad Luft verlor. Gegen 23:45 gingen wir in unser Zelt um noch den Artikel des Vortages abzusetzen. Wir hatten mal wieder nur im Zelt Empfang.

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