Tag 19 – Iceland on the rocks

Es ist kaum zu glauben – aber heute wurden wir wach, weil es uns zu warm im Schlafsack wurde! Das lag an der Morgensonne, die aus einem nahezu wolkenlosen Himmel unser Zelt beschien. Nach der Morgentoilette bereiteten wir unser Frühstück und aßen an der am Vorabend gekaperten Bank-Tisch-Kombination, wie man sie ab und an auf den Zeltplätzen findet. Es war frisch und windig, aber die Sonne und der blaue Himmel konnten das locker wett machen.

Da unser Auto von den Off-Road-Aktivitäten ziemlich dreckig war und wir uns bei jedem Tür- oder Heckklappe öffnen einsauten, fuhren wir an die benachbarte Tankstelle und wuschen schnell das Auto ab. Das kann man in Island immer kostenlos an Tankstellen machen. Überall sind Schläuche mit angeschlossener Waschbürste verfügbar.

Gerade als wir los fahren wollten rief Ásgeir an, um sich zu erkundigen wo wir steckten. Er machte sich Sorgen, ob wir noch im Hochland unterwegs sind. Dort rumort es seit ein paar Tagen erheblich am Vulkan Barðarbunga , der unweit der Askja unter dem Vatnajökull, dem riesigen Gletscher, der Island bedeckt, liegt. Er hatte Sorge, dass wenn der Vulkan ausbricht – und damit rechnen Wissenschaftler in nächster Zeit – wir aufgrund der riesigen Schmelzwassermengen gefangen wären, da Flussfurten nicht mehr durchfahrbar wären.
Der Barðarbunga ist der zweithöchste Berg Islands und liegt mit einer mehrere Quadratkilometer großen Caldera 500 m unter dem Eis des Gletschers.
Auf dieser Webseite kann man sehr gut verfolgen, wie sich die vulkanischen Aktivitäten auf Island entwickeln. Seismische Beben werden nur von Messgeräten wahrgenommen. Die roten Punkte zeigen Erdbeben der letzten 0 bis 4 Stunden. Die haben sich gewaltig gehäuft in den letzten Stunden. Die grünen Sterne sind massive Erdbeben, die auch von Menschen wahrgenommen werden. Auch die haben sich in den letzten Stunden extrem gehäuft. Der Barðarbunga ist sehr zentral in der Mitte der Insel, dort wo die intensivste Ballung von Punkten ist. Achtung! Diese Beschreibung gilt nur, wenn ihr diese Seite zeitnah aufmacht. Die Situation verändert sich ja minütlich. Thank you Ásgeir!

Von Höfn aus sind wir die Ringstraße in Richtung Westen gefahren. Auf einer Seite der Straße ist immer das Meer in Sichtweite und auf der anderen Seite fährt man an zahlreichen Gletscherzungen des Vatnajökull und vieler kleinerer Gletscher vorbei. Dazwischen oft Grünland mit Schafen (die regelmäßig auch auch auf der Straße rumlaufen und dumm schauen, bis sie dann endlich irgendwann einen Schritt zu Seite machen). Dieses Idyll wird immer wieder unterbrochen, durch gewaltiges graues Schwemmland der Ströme, die unter dem Gletscher hervorbrechen und sich in Richtung Meer ergießen und dabei jede Menge Geröll und Sand mitführen.

Auf der Weiterfahrt kommt man an Gletscherseen vorbei. Gletscher „kalben“ ins Wasser und große und kleine Eisberge treiben in den verschiedensten weiß- und blautönen im Wasser. Sehr beeindruckend – wären da nicht die Horden von Touristen, die mit Amphibienfahrzeugen auf dem See herumgeschippert werden … Aber von unserer letzten Reise wussten wir, dass man nur wenige hundert Meter weiter fahren muss und dann ist man mit den Eisbergen nahezu alleine. Wunderschön!!!!

Nach Photosession und Steinespringenlassen (die Steine haben wir gestern schon an einem anderen Meeresabschnitt gesammelt, da wir genau wussten, was wir an dem Gletschersee vorhatten :-)) fuhren wir weiter. An einer Tankstelle mit Restaurant aßen wir leckere Hamburger und fuhren dann noch eine kurze Strecke weiter bis zum Campingplatz im Skaftafell Nationalpark. Der Platz ist mit 1400 Kronen (fast 10 €) für isländische Verhältnisse sehr teuer, zumal Duschen nicht inbegriffen sind. Aber er liegt wunderschön und ist riesig groß. Vom letzten Besuch vor 4 Jahren wussten wir, dass man den Platz bis zum Ende durchqueren muss, um fast leere Zeltplätze vorzufinden.

Bei einer Firma für Gletschertouren (es gibt zwei Anbieter mit Standorten direkt neben dem Visitor Center des Parks) haben wir für morgen eine halbtägige Tour auf den Gletscher gebucht.
Um 20 Uhr sind wir noch zu einer kleinen markierten Wanderung von knapp 6 Km über diverse Wasserfälle aufgebrochen – mit einem phantastischen Blick über das Vorland zum Meer und dem gewaltigen Gletscher in unserem Rücken.

Und jetzt ist Schlafenszeit, denn morgen früh geht es mit Steigeisen, Pickel und Helm hinauf aufs Eis …

 

 

 

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