Tag 18 – Askja

Die Nacht war wirklich furchtbar. Temperaturen um den Nullpunkt. Ein nicht enden wollender Sturm und anhaltender Dauerregen. Das alles hätten wir uns ersparen können, wenn Shit Jeeps nicht auf allen erdenklichen Arten und Weisen versagt hätte. Nun gut – wir standen heute schon um 6:30 Uhr auf. Nicht aber weil wir ausgeschlafen hätten, vielmehr weil wir es im Zelt nicht weiter aushielten. Uli schlief nur teilweise, Chris schlief die Nacht überhaupt nicht.
Wir stopften das Zelt mit viel Aufwand ins Auto, gingen Zähne putzen und machten uns heißes Wasser für einen Tee. Unser Frühstück verstauten wir im Beifahrerfußraum, da wir vorhatten erst am Startpunkt der Askjaroute zu frühstücken.

Die acht Kilometer hinweg sollten zum aufwärmen des Innenraums genutzt werden. Diese Kilometer waren sehr schnell gefahren. Umso näher wir an den Startpunkt hinfuhren, desto mehr verabschiedeten wir uns von unserem Plan den 2,5 Kilometer langen Wanderwege zur Askjacaldera zu beschreiten. Liebe Leser, als wir ankamen befanden wir uns in einer Lavaeiswüste. Ein Schneesturm peitschte über den kleinen Parkplatz hinweg. Mit uns waren noch zwei andere Fahrzeuge dort, alle schauten etwas unglaubwürdig aus ihren Fahrzeugfenstern. Eine mutige deutsche Familie traute sich und lief dick vermummt Richtung Aufstieg. Die Sichtweite betrug noch etwa 25 Meter. Keine 5 Minuten später kam die besagte Familie sichtlich mitgenommen wieder zurück. Wir sprachen sie kurz an, als sie an unserem – mittlerweile verschneiten Auto – vorbei keuchten. Die Zusammenfassung des Gesprächs war in etwa diese: „Geht nicht hoch, wir haben es kaum geschafft gegen den Wind anzulaufen“ Die Sichtweite am Krater soll um die 5 Meter gewesen sein. Also, auch wenn wir uns in Wintermontur hoch gekämpft hätten, die Aussicht wäre wohl sehr bescheiden gewesen.
Wir kehrten also um. Fuhren die acht Kilometer zurück und fragten am Platz wegen Benzin, denn unser Cherokee war sehr durstig. Benzin gab es keines aber der Hinweis zur einer relativ versteckten Tankstelle in Mödrudalur. Diese war zum Glück nur 90 km entfernt und lag somit noch in unserer Reichweite. Wir machten uns also auf den Weg und durchquerten wieder einige mittelschwere Furten.

Die Landschaft ist – wie in den vorherigen Artikeln zu entnehmen –  atemberaubend. Die Größenverhältnisse können nicht mit Bildern erfasst werden, so etwas sollte man echt mal erleben und auf sich wirken lassen.

Tankstelle und ein kleines Café erreichten wir gegen 12 Uhr. Vorher hatten wir an einer größeren Furt eine lustig Begegnung mit einer Reisegruppe, die leider fahrzeugbedingt nicht weiter fahren konnte (nicht genügend Watttiefe). Wie schon beschrieben, bleibt man vor einer Flussdurchquerung, die man nicht überschauen kann (das sind ca. 9 von 10) stehen. Wir schalteten also in den Low Gang, die Gruppe stand mit Handy und Videokameras bewaffnet am gegenüberliegende Ufer und filmte uns. Der Fluss war ca. 25 Meter breit und schnell fließend. Unser Auto versank schon ein ganzes Stück im Flussbett. Als wir nach einer sehr schön gefahrenen Kurve von Uli die andere Seite erreichten, standen dort eine jubelnde Menge und begrüßte uns. Sicher eine perfekte Werbung von Jeep, wenn solch eine Dampfwalze wie der Grand Cherokee V8 dampfend aus einem kalten Gletscherfluss klettert. Dieses Auto ist sicher in den meisten Situationen so nützlich wie eine „Text to Toast Funfktion“ eines Toaster. Aber es macht unglaublich viel Spaß sowas zu fahren.
Nach einem kleinen Snack und ausreichend Kaffee (ein hoch auf das „Refill-System “ in Island) ging es danach noch Tanken und Luft nachfüllen. Die Tankstelle war lustig getarnt als altes Torfhaus. Wir hätten sie beinahe übersehen.

100 Kilometer weiter erreichten wir (hoffentlich das letzte Mal) Egilsstaðir. Nach einem kurzen Zwischenstopp für Pylser und WC ging es weiter auf der Straße 1 Richtung Höfn. Wir waren immer noch sehr angeschlagen von der vergangen Nacht. Wir fuhren also zügig die 200 km, die vor uns lagen und kürzten über die Piste 939 ab. Die Berge in den Ostfjorden sind plateauartig aufgebaut und sind in Island einmalig. Das Wetter wurde mit jedem gefahrenem Meter besser. Neben uns plätscherten kleine Gebirgsbäche den Abhang hinab, über uns pustete der Wind die letzten tiefhängende Wolkenreste hinweg. Die Strecke führte wieder auf die geteerte „Hauptstraße“ zurück und wir nahmen wieder an Fahrt auf. Einen kurzen Stopp legten wir an einer Felsenküste ein, wo man einen fantastischen Ausblick über das tosende Meer unter sich hatte.
Gegen 18 Uhr erreichten wir Höfn. Bevor es auf den Zeltplatz (der am Ortsausgang liegt) ging, ging es in das dortige Schwimmbad. Eine sehr moderne Anlage mit drei heißen Töpfen und großen Rutschen mit Schwimmbecken. Beinahe wären wir dort eingeschlafen 😉
Das Zelt stand um 20 Uhr. Um 21 Uhr gab es Nudeln mit Tunfisch. Wir saßen dann noch im windstillen Auto und tranken einen Schlummertrunk und schrieben unseren Blog.
Das Wetter soll die nächsten Tage sehr gut werden, das sind in Island immer gute Aussichten 😉
PS: Hier gibt es noch eine neue Galerie und es wurde noch ein kleines Video vom Auto hochgeladen.

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