Tag 17 – Shit Jeeps 2

Nachdem wir nicht wirklich damit gerechnet haben, dass das neue Auto schon um 8.30 Uhr kommt, sind wir ganz normal aufgestanden und haben in aller Ruhe erst mal gefrühstückt. Pünktlich um 9.40 Uhr war dann Oskar aus Akureyri mit unserem Ersatzfahrzeug, einem Jeep Grand Cherokee Limited Edition, Baujahr 2001 da. Es war doch ein anderer, als der, den wir schon mal in Akureyri gefahren sind – sah irgendwie noch schicker aus. Eine Riesenkarre: 2,4 Tonnen, 247 PS, V8, Ledersitze, automatische Einstellung für 2. Fahrer (Spiegel, Sitze), automat. Abblendspiegel, Automatikgetriebe, echtes 4×4 WD, usw., usw. Wir fanden das keinen schlechten Tausch, wenngleich es uns um unseren Korando schon leid getan hat. Irgendwie hatten wir ihn in unser Herz geschlossen. Oskar haben wir gleich nochmal zum Tanken geschickt, unser altes Auto war immerhin fast voll getankt. Er kam wieder und behauptete, er haben voll getankt, was sich aber später als Falschangabe (Lüge?) herausgestellt hat. Er hatte lediglich ein paar Liter aufgetankt, um die Tankanzeige nicht zu schlecht aussehen zu lassen.

Wir packten um. Oskar fuhr langsam mit dem Korando ab und wir starteten zu unserem lange angestrebten Ziel: der Askja. Wir kamen ungefähr 30 km weit. Chris fuhr und nach einer Unebenheit in der asphaltierten (!) Fahrbahn, geriet der Jeep heftigst ins Schlingern und das Lenkrad drohte ihm fast aus der Hand gerissen zu werden. Das wiederholte sich öfter, so dass wir letztendlich Cheap Jeeps anriefen und mitteilten, dass wir umkehren und die Werkstatt, die wir am Vortag ja schon ausgiebig kennen gelernt hatten, ansteuern werden. Dort ergab sich nach intensiver Suche, dass die Spur nicht stimmte. Der Mangel wurde behoben und wir fuhren frohgemut mit Verspätung los. Bis … ja! Genau! … die Vibrationen wieder begannen. 30 Km. Umgekehrt, zur Werkstatt gefahren. Uli hat direkt Cheap Jeep angerufen und ziemlich Klartext gesprochen. Dass sie gerade drüber sind uns den 5. Tag zu versauen. Das konnte der Typ am anderen Ende, alles hören – auch, dass wir die Ausfalltage zurück verlangen. Als Uli dann aber von „Crazy Jeep“ sprach, war Justin (so hieß der Typ am anderen Ende der Leitung) eingeschnappt. Und Uli hat ganz sicher nicht „Shit Jeep“ gesagt. Übrigens: die Notfallnummer von Cheap Jeep lautet 611 6555. Wir können sie jetzt schon auswendig – wahrscheinlich auch nachts aus dem Tiefschlaf geweckt 🙂
Uli wurde noch deutlicher und sagte, dass jetzt das Ende der Fahnenstange erreicht sei. Sie sollten entweder ein Auto bei einer fähigen Firma für uns mieten oder eins kaufen und uns auf der Stelle hier hin stellen, da wir nicht bereit sind uns unseren Urlaub weiter versauen zu lassen. Auch das konnte Justin hören und bat um eine letzte Chance, bevor er eine endgültige Entscheidung fällen würde. Er telefonierte lange mit dem Typ aus der Werkstatt. Dann wurden bei uns die Hinterräder nach vorne und die Vorderräder nach hinten getauscht, alles gewuchtet und dann kam der Werkstattmensch und teile uns mit, dass wenn das nicht funktionieren würde, ihm nichts anderes mehr einfällt.

Um die Sache etwas abzukürzen: es funktionierte und wir konnten endlich – es war inzwischen 15.30 Uhr – in Richtung Askja starten. 180 km Pisten mit Furten durch Mondlandschaft lagen vor uns. Leider hat Cheap Jeeps uns auch unsere Planung durcheinander gebracht. Wir warteten ja schließlich auf schönes Wetter, um den Vulkan in seiner ganzen Pracht zu erleben. Die zwei Tage schönes Wetter waren vorbei und wir fuhren in zunehmendes Grau, tiefhängende Wolken und beginnenden Regen. Trotzdem war die Fahrt ein aufregendes Erlebnis. Krater, Lava- und Bimssteinwüste prägten den Weg. Die Piste (nein, von Straße kann man wirklich nicht reden!!!) bot alles, was Untergrund zu bieten hat: sandig und weich; auf einmal Felsen, die mitten im Weg standen und blitzschnell umfahren werden mussten (wir waren immerhin mit 30 bis 60 KmH unterwegs); dann Furten, die man zunächst in Strömungsrichtung anfuhr, um dann in der Flussmitte gegen den Strömung zu steuern um dann die andere Uferseite zu erreichen, gaaaaaanz langsam im 4×4 Kriechgang, um keine Bugwelle zu erzeugen – und bei all dem aufzupassen, dass man mit den Auto nicht so tief eintaucht und den Vergaser Wasser trinken lässt – das wäre der Supergau (gefährlich und teuer, weil dann der Motor unwiederbringlich geschrottet ist und man der Strömung ausgesetzt wäre). Aber es ging alles gut. Alle Furten waren zu nehmen. Lediglich vor einer wurde gewarnt – haben wir aber als nicht so kritisch empfunden.
Die Gegend ist einmalig. Nicht dass wir dort wohnen wollten. Aber die vielen Krater, erkaltete Lavaströme, Bimssteinebenen, Berge in der Ferne, reißende graue Gletscherflüsse (die Gott sei Dank überbrückt waren!!!) hatten etwas Faszinierendes, aber auch Bedrohliches. Wir fühlen uns sehr klein und verloren, und uns war klar, dass auch unser tolles Auto im Ernstfall ein Spielzeug der Naturgewalten sein würde. Aber vielleicht wollten wir genau deshalb genau dorthin, wo wir hin fuhren. Das Wetter tat sein Übriges dazu. Es regnete und tiefhängende Wolken versperrten die Sicht auf ferne Ziele, wie die berühmte Herðubreið, die als die Königin der Berge Islands bezeichnet wird – wir konnten nur den Sockel erkennen. Hautnah konnten wir aber den gewaltigen Staudamm im Hochland wahrnehmen, der gebaut wurde, um den Strombedarf eines einzigen (!) riesigen Aluminiumwerks in einem der Ostfjorde zu decken.

Auf der Fahrt begegneten uns nur 3 – 5 andere Fahrzeuge. Und wir waren immerhin rund 180 Km in dieser Landschaft unterwegs. Gegen 21.30 Uhr erreichten wir unser Ziel, den Rangerstandort Drekagil (mit Hütten und Camping) am Fuße der Askja – genauer gesagt des Kegels, der die Caldera umfasst und nochmal rund 500 m über unserem Standort liegt. Morgen wollen wir 8 Km nach oben fahren und von dort den Abstieg zu dem Kratersee unternehmen. Die Askja ist Island größter Vulkan und ist ein Zentralvulkan, dessen verzweigtes System ca. 200 km umfasst. Das Zentrum, an dem wir uns befanden ist also sozusagen nur die Spitze des Eisbergs ( äääähhh???). Mit einem Ausbruch wird in den nächsten Jahren gerechnet.

Wir jedenfalls bauten unser Zelt auf. Es regnete und war lausig kalt – aber windstill. Als wir warm eingepackt in den Schlafsäcken lagen, legte nach einer halben Stunde der Sturm los… Gut dass unser Zelt expeditionstauglich und windkanalgeprüft ist …

Ein bisschen Offroad Action. (Gerd Special)

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