Tag 12 – Einar wie keiner

An das Zelten gewöhnt man sich sehr schnell. Wenn man am Anfang noch bei jedem Windstoß, oder einsetzendem Regen aufwachte, schlafen wir seit Tagen eigentlich immer durch. So auch in dieser Nacht. Der Wecker klingelte wie üblich gegen 8:15 Uhr – wir gehen hier meist relativ spät ins Bett, da wir nachts ja immer Blog schreiben 😉 Und das kann sich öfters mal in die Länge ziehen. Wir verzichten dafür auf das klassische „Tagebuchschreiben“, dies taten wir vor vier Jahren stattdessen immer.

Nach verlassen des Zeltes sollte es erst mal in die Sanitäreinrichtungen das Campingplatzes gehen. Diese sind jedoch zur jeder Tageszeit (außer so gegen 00:00 Uhr) hoffnungslos überfüllt. Uns ist es rätselhaft, wie zwei (!!!) Toiletten und zwei Waschbecken für einen sehr großen Zeltplatz ausreichen sollen. Anstehen gehörte also heute Morgen dazu.

Das Zelt war schnell abgebaut und das Auto war schnell gepackt. Wir frühstückten im Gemeinschaftszelt und fuhren anschließend Richtung Egilsstaðir los. Wir ließen den wirklich sehr schönen Mývatn hinter uns. Die Fahrt, ca. 300 Kilometer erstreckte sich durch tiefstehenden Wolken und laut pfeifenden Wind.Außerdem machte unser Auto wieder sehr komische (und durchaus beunruhigende) Schleifgeräusche. Unterwegs riefen wir bei Cheap Jeeps an und baten um Hilfe. Er wollte eigentlich Werkstätten ausfindig machen und uns dann umgehend zurückrufen. Wir haben bis jetzt noch keinen Anruf oder sonstige Benachrichtigung erhalten. In Egilsstaðir angekommen aßen wir zu Mittag und kauften danach noch Nahrungsmittel und dicke Wollsocken ein. Ich (Chris) hatte dummerweise meine eigenen daheim vergessen und nachts ist man für warme Füße durchaus dankbar. Weiter ging es auf der Straße 92, wir fuhren durch alpenähnliche Berge die teils noch mit kräftig Schnee bedeckt waren. Um die 100 Wasserfälle ergossen sich links und rechts der Straße, sie sammelten sich in einem reißenden Fluss, der meist parallel zur Straße floss. Gegen 15:00 Uhr erreichten wir die Ostfjorde in Island. Diese stehen den weitaus bekannteren Westfjorden in nichts nach. Die Straßen verliefen mal entlang, mal über den einzelnen Fjordkämme (Bergrücken der erhabenen Fjordteile) hinweg. Oft fährt man im „Tal“ unter klarer Sicht und umso höher man die Berge befährt, desto mehr versinkt man in den Wolken. Für fotobegeisterte Menschen wirklich ein wahrer Traum!

Hier schreibt Uli weiter:

Unser Ziel war Neskaupstadur am Ende eines der Fjorde. Hier sollte Margréts Vater wohnen. Gerade als wir überlegten, wie wir die Farm finden sollten, wies uns ein Wegweiser das Ziel zu dem einsam gelegenem Haus. Wir klopften, ein Mann öffnete uns die Tür und wir fragten ob hier Margréts Vater wohnt. Der Mann sagte uns, Margréts Vater wohne ganz weit am Ende auf der anderen Fjordseite oben in den Bergen. Dann bat er uns hinein und wir fanden eine feixende Bridge-spielende Runde älterer Herrschaften (1 Dame, 3 Herren vor), die sich köstlich darüber amüsierten einen lustigen Spaß mit uns gemacht zu haben. Der schwerste und am fröhlichsten über den Spaß lachende Mann war Einar, Margréts Vater.

Die Runde ließ sich in dem Spiel nicht unterbrechen und Einar machte uns deutlich, wir sollten uns irgendeinen der Schlafräume aussuchen und uns alles selbst organisieren. Sein Bruder – einer der Bridgespieler – setzte uns noch einen Kaffee auf und fragte, ob wir uns Butterbrote schmieren wollten, was wir dankend verneinten.

Einar fragte unvermittelt, ob einer von uns Klavier spielen könne. Er würde sich freuen, wenn wir ihm was vorspielen könnten. Also setzte sich Chris ans Klavier und spielte ein Stück, das er auswendig kann. Die Runde ließ sich in ihrem Spiel nicht unterbrechen … Am Ende klatschte die Dame, Einar bedankte sich für das Spiel, die Spieler standen auf und verschwanden. Wir waren mit Einar alleine. Die Kommunikation ist sehr schwierig – aber irgendwie kommen wir mit Englisch, Isländisch und Deutsch ganz gut zurecht. Wir hängten unser Zelt zum Trocknen auf und unternahmen eine Fahrt in den nahegelegen Ort. Es ist Sonntag und auch in Island ist an diesen Tagen wenig los (Supermärkte haben aber meist jeden Tag offen). Kurz hinter dem Ort endete die Straße und wir unternahmen einen kleinen Spaziergang entlang eines Pfades über die Klippen. Unter uns tobte das Meer, tief hängende Wolken peitschten über uns hinweg und in der Ferne zeichneten sich die Kämme ferner Fjorde ab. So ungefähr muss es am Ende der Welt aussehen …

Zurückgekehrt kaperten wir Einars Küche, orientierten uns, wo wir die notwendigen Kochutensilien finden können und kreierten  mit eigenen Zutaten Toasts mit Rührei. Dazu gab es echtes (!) Bier. Einar haben wir auch eingeladen und so saßen wir dann zu dritt beim Abendessen in der Küche. Einar ist wirklich sehr, sehr, sehr schwer und tut sich hart überhaupt bewegen zu können. Er schleppte sich also in sein Fernsehsofa und wir machten uns drüber die Küche aufzuräumen, abzuspülen, die Spülmaschine aus- und wieder einzuräumen und gleich auch die Spuren der Bridgegesellschaft zu beseitigen. Bei Dingen, von denen wir nicht wussten wohin, kontaktierten wir Einar durch die offene Küchentür. Seine Beschreibungsversuche führten immerhin zu irgendeinem Ziel. Irgendwann wird er die Sachen schon wieder finden 🙂

Als wir fertig waren und an ihm vorbei gingen und uns für die Nacht verabschiedeten, meinte er, dass uns Gott geschickt habe. Wir sagten, es sei lediglich Margrét gewesen …

PS: An die Serienfreunde: In Island werden viele Filme und Serien gedreht. Game of Thrones wurde z. B. unter anderem am Mývatn gefilmt.

2 thoughts on “Tag 12 – Einar wie keiner

  1. Heyhey, sieht aus als könnte man es in Island wirklich gut aushalten trotz teilweise stürmischen Wetters. Die Fotos sehen echt gut aus und die Website ist ziemlich cool/ informativ aufgebaut. Aber ich glaube Tagebuch schreiben wäre mir lieber, wenn ich reise.. vermisst ihr das nicht? Liebe Grüße und noch viel Spaß!

    • Hallo und herzlich willkommen! Das stimmt schon, „online“ Tagebuch führen ist natürlich anders. Ich denke jede Form hat seine Vor- und Nachteile. Privat würden wir sicher etwas anders schreiben, da man evtl. mehr auf Situation und Gefühle eingehen kann.

      Diese Form hat den Komfort, dass Freunde und Bekannte oder auch Islandbegeisterte direkt mitlesen können. Die Idee ist, nach der Reise einen Abzug der Texte und Bilder zu machen und diese binden zu lassen. Hier können dann natürlich auch private Sachen und Eindrücke ergänzt werden 😉

      Liebe Grüße

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