Tag 14 – Über den Wolken

Heute war der Tag, an dem wir die Ostfjorde weiter erkunden wollten. Und es sollte ein sehr beeindruckender Tag werden…

Unser Auto konnten wir ja noch fahren und merkwürdigerweise gab es heute fast keine Störungen. Gut, dass sich der Mechaniker gestern ein eigenes Bild von unseren Problemen machen konnte.

Unser erstes Ziel, das wir für heute ins Auge gefasst haben, war der Svartafjalt, der mit 1021 Meter höchste Gipfel hier in der Umgebung. Wir fuhren auf ca. 500 m Höhe und folgten von dort zu Fuß dem Klettersteig, der steil bergan führt und mit in den Boden geschlagenen Pfosten markiert ist. Wir kamen mächtig ins Schwitzen und mussten gut aufpassen, dass wir keine Fehltritte taten – wir wären sonst viel zu frühzeitig wieder unten gewesen. Während des gesamten Aufstiegs bot sich ein atemberaubender Blick auf den Eskifjörður und den Reyðarfjörður. Wenige Höhenmeter vor dem Gipfel, von dem wir auch noch unseren Fjord, den Norðfjörður gesehen hätten, mussten wir die Tour abbrechen: wir liefen inzwischen in dichten Wolken, die uns immer wieder die Sicht nahmen und unsere Wegzeichen wurden von einem riesigen Schneefeld verschluckt, das der diesjährige Sommer nicht hat wegschmelzen können. Der Weg war nicht mehr zu erkennen und eine Querung des extrem steilen Schneefeldes war uns ohne Steigeisen zu risikoreich. Es war zwar schade, dass wir den Gipfel nicht erreicht haben, bereuten es aber keine Minute uns auf den Wege gemacht zu haben – wie gesagt: es war atemberaubend.

Der Abstieg war nicht weniger mühsam als der Aufstieg. Aber als wir letztendlich gut bei unserem Auto gelandet waren machten wir uns gleich auf den Weg nach Eskifjörður, dem Ort in dem gleichnamigen Fjord. Nach einem Mittagessen in der Tankstelle (wie schon an anderer Stelle erwähnt, sind Tankstellen ins Island meist auch Versorgungsstationen, häufig mit angeschlossenem Restaurant oder Imbiss) fuhren wir in Richtung Meer an den Fjordeingang.

Am Ende der befestigten Straße ging es im 4-Rad-Modus, durch zwei Furten über einen Bergkamm in ein Nebental. Vorbei an unzähligen beeindruckenden Wasserläufen und Wasserfällen. Auf dem Weg kamen wir an einer Hütte des isländischen – bei uns würde es wohl „Alpenverein“ heißen, vorbei. Eine Hütte in einer traumhaften Landschaft, mit Matratzenlagern unter dem Dach und im Erdgeschoss. Aufenthaltsraum, komplett ausgestattete Küche, Vorräte an Gas, Batterien, Holz (!),Toilettenpapier usw. Der Schlüssel steckte und man wurde gebeten bei Übernachtung 3000 Kronen (ca. 20 €) in eine bereitstehende Kasse zu werfen. 200 Kronen (ca. 1.30 €), falls man angehalten hat, um dort etwas zu kochen. Duschen und WC gab es natürlich auch. Beim Verlassen der Hütte wurde man gebeten den Schlüssel wieder gut rumzudrehen.

Am Ende der Piste hatten wir das Meer erreicht. Tosende Wellen brachen sich auf einem schwarzem Strand. Um ganz dorthin zu kommen, mussten wir noch einen einströmenden Bach durchwaten. Das war a…kalt. Wir hielten uns natürlich an die Regel, dass Strände aus Naturschutzgründen nicht mit Geländefahrzeugen befahren werden dürfen … und darum wateten wir 🙂

Nachdem wir ausgiebig das Meer und den Strand und die in unserem Rücken liegenden Berge genossen haben, machten wir uns auf den Rückweg. Überflüssig zu erwähnen, dass wir weder bei unserer Bergtour noch bei dem Ausflug ans Meer keiner Menschenseele begegnet sind…

Es war zwar schon spät, aber das hielt uns nicht davon ab noch im Schwimmbad in Norðfjörður vorbei zu fahren, um in den Heißen Töpfen abzuhängen. Das hatte leider zur Folge, dass wir verpasst haben rechtzeitig im Supermarkt halt zu machen, um die noch fehlenden Zutaten für das Abendessen einzukaufen. In der Tankstelle eingekaufter Speck minderte dieses Manko und Christoph zauberte mit unseren Resten ein leckeres Nudelgericht, das auch Einar prima geschmeckt hat.

Unser Auto haben wir vorher noch in der Werkstatt vorbei gebracht und den Schlüssel an der verabredeten Stelle versteckt. Einar übernahm dankenswerter Weise Ulis Abholung von der Werkstatt.

In der Hoffnung, dass morgen alles mit der Reparatur unseres Fahrzeugs klappt, werden wir diesen gastlichen Ort verlassen und uns in Richtung Hochland und den Vulkan Askia auf den Weg machen. Einar meinte, dass er bestimmt weinen wird, wenn wir ihn verlassen.